Gibt man im Online-Lexikon wikipedia den Begriff „Mathematiker“ ein, so findet man wenig Überraschendes: „Mathematiker beschäftigen sich mit der Weiterentwicklung des Fachgebiets der Mathematik und mit der Anwendung der Erkenntnisse auf praktische Belange. Die Anwendung mathematischer Methoden führt zu exakten Erkenntnissen und Aussagen, in bestimmten Teilgebieten auch zu quantitativen Ergebnissen (z. B. aus der Numerik und der Statistik). Die zunehmende Mathematisierung des Alltags führt dazu, dass Mathematiker in vielen Bereichen eingesetzt werden, u. a. … im Öffentlichen Dienst (Schulen und Universitäten, Statistik), …“.
Vor allem der Satz, dass die Anwendung mathematischer Methoden zu exakten Erkenntnissen und Aussagen führe, lässt sich natürlich geschichtlich widerlegen.
Nehmen wir nur einmal die Zeitrechnung: Wenn unser Schulleiter im Jahr 2007 in seinen wohlverdienten Ruhestand geht, dann eigentlich ein Jahr zu früh: Denn eigentlich schreiben wir ja erst das Jahr 2006, denn Jesus wurde ja auch nicht im Jahre 0, sondern im Jahre 1 geboren (wenn überhaupt, die Volkszählung des Augustus, wegen derer sich Maria und Joseph nach Bethlehem begaben, fand ja erst im Jahre 8 statt), aber das wäre im Briestschen Sinne „Ein zu weites Feld.“
Ein anderes Beispiel: Die Behauptung „Ehemänner leben länger“. Rein statistisch gesehen mag das stimmen, im Durchschnitt sogar zwischen fünf und fünfzehn Jahren länger als Witwer oder Junggesellen. Aber sie leben nicht deswegen länger, weil sie Ehemänner sind, sondern sie sind Ehemänner, weil sie länger leben. Hier hört die Statistik natürlich auf zu überzeugen und die wissenschaftlichen Randbereiche kommen zu ihrem Daseinsrecht, ein, wie schon gesagt, „weites Feld“.
Letztes Beispiel: Laut Statistik ist der Hauptmotor des wissenschaftlichen Produktivitätsfortschritts der Computer. Falsch, denn gemessen am Sozialprodukt pro Arbeitsstunde sind wir nicht viel weiter als vor 20 Jahren (gut, der Computer mag inzwischen effizienter geworden sein). Aber, kann man Daten essen? Wäre die Welt ärmer ohne Computer? Eins ist sicher: Es gäbe mit Sicherheit nicht so viele Statistiken.
Was haben all diese Beispiele mit unserem Schulleiter zu tun? Natürlich überhaupt nichts. Sie rechtfertigen vielleicht die Entscheidung des Autors, nicht Mathematiker werden zu wollen, mehr aber auch nicht. Unser Schulleiter zeigte im Gegensatz zur oben genannten Definition ganz atypische Züge: Zum Beispiel sein Interesse für Augustus, dem die Geschichtskollegen in den mündlichen Prüfungen immer wieder gerne nachkamen. Nun gut, irgendwann war auch dieses Thema ausdiskutiert und seitdem Herr Neumann auch nicht mehr in Geschichtsprüfungen gesehen (meine Interpretation, die Wahrheit ist, dass die Antike vom Lehrplan verschwand).
Wir danken unserem Schulleiter dafür, dass er so gar nicht in das typische Bild eines Mathematikers passte. Wir wünschen ihm alles Gute, gerade nach dem letzten Jahr viel Zeit für sich und seine Familie. Und sollten Sie vorhaben, nun mehr zu reisen, dann seien Sie vor folgendem schweren Irrtum gewarnt: Die sicherste Art des Reisens ist nicht das Fliegen. Die Gefahr, die nächste Stunde nicht zu überleben, ist im Flugzeug mehr als dreimal so groß wie mit der Bahn. Aber wie gesagt, ist ja nur eine Statistik.

K.Kruppa

Quellen:

www.wikipedia.de
Krämer, Trenkler „Das Beste aus dem Lexikon der populären Irrtümer“, Eichborn 2000.