Wir wissen relativ wenig über unseren neuen Schulleiter. Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
Es ist sicherlich schwierig, sich selbst charakterisieren zu wollen. Meine Familie und meine ehemaligen Kolleginnen und Kollegen könnten dies bestimmt besser.
Ich glaube von mir, dass ich ganz zielstrebig bin, dabei aber nicht beratungsresistent, dass ich eine ganz gute Portion Humor besitze, ohne alles auf die leichte Schulter zu nehmen und dass ich mittlerweile auch gelernt habe, Vieles gelassener zu sehen.
Mit welchen drei Wörtern würden Sie unsere Schule beschreiben?
Sehr, sehr modern.
Irritiert Sie die Größe der Schule? Haben Sie sich schon einmal verlaufen?
Die Größe irritiert mich nicht, aber vielleicht die Weite des gesamten Komplexes. Und man muss sich erst gewöhnen an die unterschiedlichen Häuser mit ihren unterschiedlichen Bezeichnungen. Aber verlaufen habe ich mich noch nicht.
Was bringen Sie von Ihrer Tätigkeit vom Schumann-Gymnasium mit?
Erst einmal die Erfahrung 16-jähriger Schulleitertätigkeit unter relativ komplizierten Bedingungen. Auch die Schumann wurde in den vergangenen Jahren grundlegend rekonstruiert. In der Zeit war die gesamte Schülerschaft für zwei Schuljahre an zwei Grundschulen der Stadt ausgelagert. Das war nicht einfach für alle Beteiligten und dies gerade in einer Zeit, als aus den bekannten Gründen Gymnasien in Leipzig geschlossen wurden.
In den letzten beiden Schuljahren fusionierte die Schumann mit der benachbarten Uhlandschule, die in diesem Jahr geschlossen wurde. Hier galt es zwei völlig unabhängige Schulen zusammenzuführen.
Dann habe ich mich auch als Lehrer sehr für die Ausprägung des gesellschaftswissenschaftlichen Bereiches engagiert, habe mit meinen Schülern gemeinsam Projekte organisiert und durchgeführt, die uns u.a. im letzten Sommer eine Einladung zu einer Diskussion mit dem Bundespräsidenten einbrachten.
Schumann und Hildebrand: Was ist am RHS völlig anders?
Ich würde beide Schulen nicht entgegengesetzt sehen wollen. So unterschiedlich sind die Gymnasien nicht. Es geht immer um die ganzheitliche Bildung und Erziehung der Schülerinnen und Schüler. Dass dabei Schulen für sich Alleinstellungsmerkmale suchen, fördert meines Erachtens diesen pädagogischen Prozess. Und dann fällt das Markkleeberger Gymnasium schon auf durch seinen §-4-Zweig und natürlich auch durch sein umfangreiches Ganztagsangebot. Beides gab es an meiner ehemaligen Schule nicht.
Was muss sich Ihrer Meinung nach an der RHS verändern?
Erst einmal sehe ich keinen großen Änderungsbedarf Ich will mir erst einmal anschauen, wie sich die Schule organisiert. Da kann man zwar eine ganze Menge nachlesen, in der Praxis, d.h. im Schulalltag, stellt sich dann manches anders dar. Ich möchte auch erst einmal in der nächsten Zeit mit vielen Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen, ich werde viel hospitieren, um Atmosphäre erspüren zu können und mich natürlich mit meinen Kolleginnen und Kollegen und den unterschiedlichen Schulgremien beraten. Erst dann werde ich, wenn nötig, behutsam Änderungen anstoßen.
Was wünschen Sie sich für das neue Schuljahr?
Uns allen ein sehr erfolgreiches. Mir wünsche ich, dass es mir möglichst schnell gelingen möge, mich in die spezifische Materie der RHS einzuarbeiten. Noch habe ich Probleme, die vielen neuen Gesichter richtig zuordnen zu können. Ich übe allerdings abends anhand der Bilder im Jahrbuch.
Werden Sie an der Schülerspeisung teilnehmen?
An der Mittagsversorgung werde ich vorerst nicht teilnehmen. Meine Frau zaubert jeden Abend für uns das "Perfekte Dinner". Das ist ein längjähriges und schönes Ritual in unserer Familie, das ich auch nicht missen möchte. Hier wird nicht nur gegessen, sondern auch alles besprochen, was uns bedrückt und was uns natürlich freut.
Selbstverständlich werde ich mir aber genau anschauen, wie die Schülerschaft das Mensaangebot annimmt und wenn nötig mich mit der Firma um Verbesserungen bemühen.