LAUDES

17.12.2010
19.30 Uhr
Paul-Gerhardt-Kirche

Chöre und Instrumentalisten der RHS Markkleeberg
Eva-Maria Götz
Detlef Ay
Sven Kühnast

LAUDES
Oder: Der RHS-Chor spielt jetzt in einer ganz anderen Liga!

17.12.2010. 19 Uhr. In der Paul-Gerhardt-Kirche hat man an diesem Abend das Gefühl, auf dem Lande zu sein – Grillen zirpen, Schafe blöken. Und nicht nur die Geräuschkulisse stimmt – auch die funkelnden Sterne an der Decke und die stimmungsvoll angeleuchteten Säulen passen zum Ambiente der heiligen Nacht, die hier gesanglich zelebriert werden soll. Problemlos findet man seinen klar nummerierten Platz, wenn man das Glück hatte, eine Karte zu ergattern. Kein Gerangel. Alles ist friedlich. 30 Minuten später haben alle Gäste ihre Plätze eingenommen und das Chorkonzert beginnt.

Zugegeben, auch die Konzerte der letzten Jahre waren gut. Aber ich muss es vorwegnehmen: das Konzert in diesem Jahr war um Klassen besser. Für 2 ½ Stunden war das Publikum gefesselt. Nie wurde es langweilig und die Akteure auf der Bühne boten musikalische Leistungen der Höchstklasse. Aber das war nicht alles, was diesen Abend so zauberhaft machte.

Zunächst wäre da das Konzept. Lobgesänge! Von allen drei Chören. Brillant aufeinander abgestimmt. Aufeinander aufbauend. Mit Übergängen, die so ungewohnt und so wundervoll waren, dass mancher Zuschauer meinte, dass man auf solche Ideen wie das gemeinsame Singen beim Wechsel der Chöre doch schon längst hätte kommen können. Schließlich sind wir in einer Kirche – und nicht nur zur heiligen Nacht singt man dort gemeinsam.

Der gleichstimmige Chor begann mit Lobgesängen auf die Geburt Jesu. In gewohnt professioneller Weise führte Herr Ay seine Schüler durch bekannte und neue, deutsche und fremdsprachige Lieder, die der Geburt Jesu huldigen. Die anspruchsvolle Auswahl wurde von den Sänger/innen wunderbar umgesetzt. Das Publikum war verzaubert und sollte diesen Zauber für den Rest des Abends behalten dürfen. Meine persönlichen Favoriten: OJ, Koledo (ein mitreißendes bulgarisches Weihnachtslied) und der Klassiker „Es ist ein Ros entsprungen“ – aber zum letztgenannten Lied später noch mehr.

Der Kinderchor unter Leitung von Frau Götz folgte mit Lobgesängen auf die heilige Stadt Bethlehem. Waren Chorsänger auch in den vergangenen Jahren so klein und süß? Und trotz ihres zarten Alters schon so weit, musikalisch betrachtet? Ich weiß es nicht. Ich habe die 30 Minuten einfach genossen und mich am Anblick der süßen Kleinen und ihrem zauberhaften Gesang ergötzt. Auch hier war das Repertoire breit gefächert und auch hier hatte ich meine Favoriten: „Als ich bei meinen Schafen wacht“ (nicht nur wegen der spitzbübischen Solisten) und wiederum der Klassiker „Es ist ein Ros entsprungen“ (egal, ob der Text stimmte oder nicht!).

Eine Stunde war schon vergangen. Die harten Kirchenbänke fingen an, ihren Tribut zu fordern. Und der gemischte Chor hatte noch nicht gesungen. An ihm sollte doch aber erst die Qualität des Abends gemessen werden! Würde der neue Chorleiter den richtigen Ton finden? Und würden ihm seine Choristen folgen?

Man hatte sich umsonst gesorgt! Herr Kühnast dirigierte die Lobgesänge der Engel. Seine Engel sangen, beflügelt, mit echtem Lächeln im Gesicht, voll konzentriert und trotzdem voller Spaß. Und die Herzen der Zuhörer schmolzen mit jedem Lied ein bisschen mehr. Dabei waren es oft die Momente zwischen den Liedern, die die Freude des Chores am gemeinsamen Musizieren so richtig zum Ausdruck brachten – wenn getuschelt, gepfiffen oder anderweitig gelockert wurde, damit man den gesanglichen Anforderungen des nächsten Stückes wieder gewachsen war. Denn eines war ganz schnell klar: dieses Konzert hatte ein Niveau, das sich sehen (oder besser hören) lassen konnte.

Und was zunächst mystisch erschien (Wer oder was ist AIRAM??? Ich benötigte Hilfe beim Entschlüsseln! Sie auch? AIRAM ist MARIA, nur rückwärts!!!), machte doch Sinn und passte zum Gesamtkonzept des Abends.

Besonders schön fand ich persönlich, wie die Instrumentalisten in das Programm integriert wurden. Ob Benjamin mit dem Dudelsack, Marie mit Flöte, Lucas mit seiner Klarinette, Carmen am Violoncello oder Svenja an der Harfe – alles war stimmig. Die Trompeten und Posaunen (von Carl, Mattes, Timm und Tobias) begleiteten die Engelschöre perfekt. Und als Joseph mit dem Tamburin lärmte, war auch das der richtige Ton zur richtigen Zeit.

Natürlich hatte ich auch hier meine Favoriten: „Jolly Shepherd“, „O Magnum Mysterium“ und „I will sing with the Spirit“ und natürlich (aller guten Dinge sind drei!!!) „Es ist ein Ros entsprungen“. Wer jetzt meint, es würde langweilig, dasselbe Lied dreimal zu hören, irrt gewaltig. Zum einen hat gerade dieses Lied bei Besuchern der traditionellen Christmetten einen großen Wiedererkennungswert. Spontan kann man sich des Textes erinnern und singt in Gedanken mit. Und dann staunt man plötzlich. Das Lied verändert sich mit jedem neuen Versuch. Die Interpretationsvarianten machen es spannend, wieder genauer hinzuhören. Geniale Idee.

Das Weihnachtskonzert der RHS 2010 war ein absolut gelungener Abend in allen Bereichen! Und nicht nur das. Es war kein gewöhnliches Konzert mit Liedern, die sich in lockerer Reihenfolge aneinanderreihen. Das diesjährige Konzert war ein außer-gewöhnliches Gesamtkunstwerk, genauestens durchkonzipiert und vollendet dargeboten. Glückwunsch und Dank an den Musikbereich.

Nun muss ich mir die CD noch kaufen und mehrere Exemplare zum Verschenken.
Und ich bin gespannt auf das Farben-Konzert im nächsten Jahr. Ist Kühnasts erstes RHS-Konzert noch zu toppen? Man darf gespannt sein.
Und sollte man dann vielleicht das Gewandhaus mieten, damit alle potentiellen Kartenkäufer eine faire Chance haben?

K.Kirschke