(Ent)spannung beim Dr. rer. nat.

Wer auf Studienfahrt etwas Exotisches erleben möchte, braucht dafür nicht unbedingt in andere Länder zu fahren, die heimische Ostseeküste tut`s auch:
Zuerst einmal war da der Tag der Abreise: Abfahrt Sonntag früh um 06.51 Uhr ab Leipzig Hbf, was ja wahrscheinlich für einen Gymnasiasten, der sonst nur von Montag bis Freitag die Schulbank drückt, bereits sehr exotisch erscheinen mag. Außerdem lernten wir auf der Fahrt viele neue, spannende Bahnhöfe Deutschlands kennen, da in regelmäßigen Abständen Umsteigen angesagt war, wobei jedoch erwähnt werden muss, dass unsere Fahrtzeit im Vergleich zu den endlos langen Busfahrten der anderen Kurse wirklich angenehm ausfiel. In Boiensdorf (Wo mag das wohl liegen?, fragt sich da bestimmt so mancher Schüler...), dem Ziel unserer Studienfahrt angekommen, trafen wir dann auf einen sehr speziellen Dr. rer. nat, der unsere Studien betreuen sollte. Auch das Abendessen sollte die ganze Woche über dermaßen gleich sein, dass der eine oder andere womöglich aus dem Staunen nicht mehr heraus kam...

Dagegen war die Wanderung um den Boiensdorfer Werder mit Uferschwalbenkolonien in der Steilküstenwand fast alltäglich. Am Abend (Sonntagabend, wohlgemerkt!) wurden wir noch von Herrn Dr. Walter in die Geschichte und vor allem Biologie der Ostsee eingeführt, die einige Gruppen in den nächsten Tagen noch schwer beschäftigen sollte.

Am Montag nämlich begann die Arbeit an unseren Studienfahrtsthemen, und zwar, indem wir mit einem Fischer auf seinem Kutter in der Seegraswiese nach diversem Getier (Seenadeln, ein Aal, Garnelen...) fischten, welches der Seegrasgruppe als Untersuchungsmaterial diente. Die Blasentanggruppe hingegen war auf das eigene Fangglück angewiesen, da ihnen nichts vom Fischer vorbei gebracht wurde, sondern selbstständig im Blasentang gekeschert werden musste.

Auch am Dienstag setzten wir unsere Studien fort: Bereits um vier Uhr am Morgen (oder sollten wir an dieser Stelle lieber den Ausdruck “nachts“ gebrauchen?) durften die beiden Hydrographie-Verantwortlichen die volle Schönheit der über Nacht um mehr als fünf Grad abgekühlten Ostsee erleben und eine Wasserprobe auf verschiedene Parameter untersuchen. Viele Stunden später, also nach dem Frühstück, wurde die Bestimmungsarbeit fortgesetzt und die Blasentanggruppe unternahm auf Befehl des Herrn Dr. Walter einen weiteren mühevollen, aber zum Glück erfolgreichen Versuch, in der großen, weiten Ostsee die kleine, unglaublich faszinierende Seepocke aufzustöbern. Nachmittags lernten die meisten von uns dann zusammen mit Herrn Schütze Wismar (bzw. die Essgelegenheiten dort) kennen, während Frau Bauer mit den beiden übrigen Schülern in Rerik -beinahe erfolglos- nach Fossilien suchte. Der Tag endete, wie alle anderen auch, mit Tischtennis und Rommé.

Obwohl der Mittwoch zur Vorbereitung der für Donnerstag geplanten Kurzvorträge vorgesehen war, hatten wir genügend Zeit, um viele Runden Tischtennis (Sozialtischtennis, denn bei den herrschenden Windverhältnissen wäre alles andere unmöglich gewesen) und im strömenden Regen viele Sätze Volleyball am Strand zu spielen. Abends (beim Rommé) wurden unsere Präsentationen dann noch mit dem letzten Schliff versehen, weshalb auch unsere Vorträge am folgenden Tag einfach umwerfend waren.

Neben vielen Stunden Arbeit an neuen, unvertrauten Themen hatten wir – sowie Frau Bauer und Herr Schütze – trotzdem viel Zeit zum Erholen, Baden, Rommé-, Tischtennis- und Volleyballspielen. Vielleicht mussten wir ja deshalb auch am Freitag noch einmal in die Schule kommen...?

Olga Chemnitzer