Frieden in Gaza und Israel

Religionskurs der Klasse 12/1
Rudolf-Hildebrand Schule
Mehringstraße 8
04416 Markkleeberg

Herrn Frank-Walter Steinmeier
Bundesminister des Auswärtigen
11013 Berlin



Frieden in Gaza und Israel



Sehr geehrter Herr Bundesminister Steinmeier,

zunächst möchten wir Ihnen unsere Hochachtung für Ihr Engagement im Nahen Osten mitteilen. Es zeugt von hohem Verantwortungsgefühl, dass Sie in Zeiten der unmittelbar bevorstehenden Phase des Wahlkampfes nicht Ihren persönlichen Interessen in Deutschland nachgehen, sondern auf eine friedliche Lösung in Israel hinarbeiten.

Wir wissen, dass eine baldige Klärung der Lage ausgeschlossen zu sein scheint, und gerade deswegen wollen wir unsere Betroffenheit über die Situation ausdrücken. Wir wollen Ihnen signalisieren, dass wir dieses ungerechtfertigte Leid der zivilen Bevölkerung, darunter unzählige Kinder und Jugendliche, nicht länger tatenlos hinnehmen können. Es ist für uns Schüler der 12. Klasse des Rudolf-Hildebrand-Gymnasiums der Zeitpunkt gekommen, an dem es unvermeidbar ist, öffentlich politisches Interesse zu bekunden. Auch wenn es viele immer noch verdrängen, aber als mündiger Bürger ist es unsere Pflicht, auf Missstände hinzuweisen und Sie in Ihrer Arbeit zu unterstützen.

Die Barmer Theologische Erklärung von 1934 beinhaltet die These, dass der Staat die Aufgabe habe, für Recht und Frieden unter Androhung und Ausübung von Gewalt zu sorgen. Dies stellte für uns im Rahmen des Religionsunterrichts einen Ansatzpunkt bei der Suche nach einer Konfliktlösung dar. Jedoch kamen wir zu der Beurteilung, nicht den Staat allein, sondern die internationale Staatengemeinschaft in Zeiten der Globalisierung in die Verantwortung zu ziehen. Dass diese jedoch erst so spät Interesse an der Entschärfung des Konflikts signalisierte , konnten wir rückblickend nur mit Unverständnis betrachten.

Wir denken, dass Wahrung des Friedens wichtiger ist als jede wirtschaftliche Beziehung. Da dies offensichtlich nicht alle so sehen, hoffen wir nun auf eine enge Zusammenarbeit mit dem für neue politische und gesellschaftliche Ideale stehenden US-Präsidenten, und zwar nicht auf wirtschaftlicher, sondern eher auf diplomatischer Ebene. Zwar ist es für uns der falsche Weg gewesen, so lange auf den neuen Präsidenten zu warten , da Frieden das oberste Prinzip der Staatengemeinschaft sein sollte und somit die Passivität vieler Länder nicht nachzuvollziehen war , jedoch sehen wir den Wechsel an der Spitze Amerikas auch als neue Chance der Verständigung und für den Frieden.

Wir wollen Vorschläge unterbreiten:

Die Schwierigkeit, sich sowohl mit den Palästinensern als auch mit Israel auf einen Kompromiss zu einigen darf nicht als unlösbare Aufgabe angesehen werden, denn eine starke und in sich einige Staatengemeinschaft sollte dazu ohne Anwendung von Gewalt in der Lage sein. Dazu ist es dringend erforderlich, den Waffenschmuggel nach Gaza zu unterbinden, denn nur so kann die radikale Hamas friedlich bezwungen werden. Die zum Großteil friedliche Bevölkerung würde davon am meisten profitieren.

Darüber hinaus schlagen wir vor, den erst seit der Gründung des Staates Israels andauernden realen Gebietskonflikt durch die Errichtung einer Sicherheitszone mit Aufsicht von internationalen Friedenstruppen zu entschärfen. Erst wenn die Gewalt gestoppt ist, kann ein Dialog der beiden Völker und Religionen zu einem ernsthaften Annäherungsversuch führen.

Wir wünschen Ihnen für Ihren Einsatz viel Kraft und hoffen, dass unsere Vorschläge einen kleinen Teil dazu beitragen, Sie bei ihrem Engagement zu bestärken.



Mit freundlichen Grüßen - für den Religionskurs der Klasse 12/1



Schüler Christopher Kälker (Autor des Briefes)
Pfarrer Stephan Bickhardt (Religionslehrer)

Markkleeberg, 5.2.2009

Nachdenken über Freiheit

Texte aus dem Grundkurs Religion Klasse 12 bei Herrn Pfarrer Bickhardt

Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel verstanden als die individuelle Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt allgemein einen Zustand der Autonomie eines handelnden Subjekts. Am einfachsten lässt sich die Freiheit durch Grenzen ausdrücken. Frei ist, was durch keinen Zwang begrenzt wird. Der Begriff "Freiheit" ist je nach den Voraussetzungen unterschiedlich festgelegt und bewertet. Im Grundgesetz gilt beispielsweise die freie menschliche Persönlichkeit als oberster Wert. Zu dieser persönlichen Freiheit eines Menschen zählt auch die Entscheidung zu glauben.

Luther spricht von Freiheit eines Christenmenschen. Dies äußert sich in seinen Worten "Von der Freyheyt eyniß Christenmenschen" und er leitet seine Schrift mit den folgenden Sätzen ein: "Eyn Christen mensch ist eyn freyer herr über all ding und niemandt unterthan. Eyn Christen mensch ist eyn dienstbar knecht aller ding und jederman unterthan". Für den Reformator bedeutet die neue seelische Freiheit der Glaubenden keine Abkehr von den Zehn Geboten.

Doch wie definieren Schülerinnen und Schüler von heute, die am Grundkurs Evangelische Religion in der 12. Klasse teilnehmen, Freiheit?

Es folgen 7 persönliche Definitionen von „Freiheit“aus christlicher Perspektive, entstanden in 5 Minuten Stillarbeit, und ein längerer Artikel.

Miriam Malchow

Mein Verständnis von Freiheit ist das Wissen, dass Gott für mich da ist. Und das ist eine Form von Liebe, denn aus Gleichgültigkeit ist niemand für andere da. Mir ist bewusst, dass die Freiheit, auch die eines Christenmenschen, durch Regeln und Gesetze eingeschränkt ist, aber dadurch fühle ich mich, auch als gläubige Person, nicht beraubt, weil Gesetze und Normen die eigene Freiheit nur soweit einschränken, dass jeder Mensch Freiheiten besitzt. Freiheit ist für mich keine Illusion, denn ich spüre den Rückhalt Gottes in einer Art und Weise zu glauben, wie es mit beliebt und ich es als richtig empfinde. Zudem ist schon die Meinungsfreiheit für mich ein Ausdruck der Autonomie. Ich fühle mich frei und ungebunden, wenn ich sagen kann, was mir im Kopf rumgeht und wenn ich uneingeschränkt lieben kann. Dies beruht sehr auf der christlichen Lehre der Nächstenliebe. Die Einschränkung der Freiheit durch die Freiheit des anderen ist der christliche Faden der Gerechtigkeit. Die Vorschriften, unter denen ich meine Freiheit als Christenmensch auslebe sind akzeptabel, das heißt, sie schränken mein Handeln genauso ein, wie mein Gewissen mir mitteilt, ob ich mich auf dem richtigen oder dem falschen Weg befinde.

Alexander Ziegelmeier

Die Freiheit eines Christenmenschen besteht für mich darin, dass jeder selbst entscheiden kann, wie weit er seinen Glauben betreibt (z.B. in die Kirche geht) und welche der verschiedenen Richtungen des Christentums er wählt. Weiterhin denke ich, dass man als freier Christenmensch nach dem eigenen Gewissen und der eigenen Situation entscheiden kann, in wie weit Nächstenliebe und Hilfeleistung angebracht sind. Man ist zu diesen aber nicht einfach verpflichtet. Ein freier Christenmensch zu sein schließt für mich auch ein, jederzeit die Möglichkeit auf Hilfe und Unterstützung durch die Kirche zu haben (Beichte etc).

Franziska Krenzlin

Die christliche Wahrnehmung der Freiheit ist vordergründig geprägt durch den Glauben. Ein Christ unterwirft sich keinen Regeln und Gesetzen. Der Auffassung des Christentums nach hat Gott den Menschen seine Barmherzigkeit umsonst gegeben. Die Menschen folgen seinem Beispiel und dienen ihrem Nächsten auch umsonst, dass ist der Grundsatz der Nächstenliebe. Somit wird er nicht gezwungen etwas zu tun, sondern handelt aus freien Stücken und ist damit frei. Einem ungläubigen Menschen wirft diese Sichtweise jedoch Fragen auf. Der Gläubige dient zwar einerseits niemanden gezwungen, aber durch den "Vertrag" der Nächstenliebe, den er mit dem Glauben eingeht, ist er doch einem Zwang unterworfen, denn wenn er den Vertrag nicht einhalten würde, dann würde das ganze System nicht funktionieren.

Tobias Bopp

Freiheit im allgemeinen ist für mich die Möglichkeit, seine Gedanken und Vorstellungen soweit umsetzen zu können ohne die Freiheit anderer einzuschränken. Jedoch glaube ich, dass man keine Freiheit nur durch uneingeschränktes Handeln besitzt, da, wie ich finde, Freiheit bei der Erkenntnis beginnt, sich entscheiden zu können, sich unabhängig von Meinungen und Erwartungen anderer zu verwirklichen oder nicht. Kurz gesagt, dass man also nicht durch uneingeschränktes Handeln frei wird, sondern das Handeln der Ausdruck der Freiheit ist, die durch die eigene freie Entscheidung erworben wurde. Bezogen auf die Freiheit eines Christenmenschen empfinde ich diese in der Form, dass der Glaube nicht aus dem Handeln nach der Nächstenliebe resultiert, man also keinen Zwang besitzt so zu handeln. Das Handeln nach der Nächstenliebe resultiert für mich also aus dem Glauben, dies aber nicht zwingend, da man durch seinen Glauben die Freiheit eines Christenmenschen erworben hat. Was soviel bedeutet, dass man in seinem Handeln nicht an den Gedanken einer Wiedergutmachung oder Erwartung einer Gegenleistung gebunden ist, man also nach freiem, eigenem Entschluss handelt oder nicht.

Maximilian Metzig

Ein allgemein religiöser Mensch ist freier im Glauben als ein Christenmensch. Dieser muss sich bestimmten Richtlinien unterwerfen, da er sonst kein Christenmensch wäre. Luther sagte allein das Wort [Gottes] und der Glaube regieren die Seele, welche eigentlich als letzte Instanz der Freiheit bezeichnet werden könnte. Siehe, die Gedanken sind frei. Man kann körperlich eingeschränkt sein, aber die Seele bleibt doch frei, und das Christentum schränkt diese Freiheit der Seele mit der Bibel und dem Glauben ein.

Angela Griesmann

Als die Freiheit der Christen kann man seinen Glauben sehen. Doch für die meisten wird dieser Glaube nicht als Freiheit ausreichen. Es ist doch nicht nur Freiheit der Nichtchristen. Die Freiheit der Nichtchristen ist doch auch nicht zu glauben. Die Freiheit der Christen lässt sich sehr schwer definieren. Man könnte Gottes Liebe als Freiheit für die Christen ansehen. Doch sollte Gott nicht alle Menschen lieben? Oder vielleicht würden die Nichtchristen es bedrückend finden mit Gottes Liebe zu leben. Deswegen ist es vielleicht ihre Freiheit in Freiheit von dieser Liebe zu leben. Es ist vielleicht ihre Freiheit von dieser Liebe nicht eingeengt zu werden. Obwohl man sagt, nicht die Liebe Gottes, sondern die Liebe zu Gott sei die Freiheit der Christen. Auch hier kann man die Nichtchristen als Argument anbringen. Man kann auch andere Dinge oder Menschen lieben und sich dabei frei fühlen.Ich denke nicht, dass man sagen könnte dies sei die Freiheit der Christen. Die gleichen Sachen können auch beengend wirken. Die Christen haben genau so viel Freiheit (oder nicht) wie Andere, nur ihre Sicht ist eine andere.

Christopher Kälker

Für mich ist Freiheit die Nähe zu Gott, der mich beschützt und leitet, der mir meine Sünden erlässt. Es ist das Gefühl, ein freier Herr über mich und mein Handeln zu sein. Da ich Gott nahe bin, bin ich jedem anderen Christen auch nahe. Meine Freiheit einzusetzen, um dem Nächsten umsonst zu dienen, gibt mir das Gefühl von Geborgenheit und Liebe. Mein Handeln und Gott machen mich frei.

Ein Artikel über die Freiheit

Was versteht man eigentlich unter dem Begriff Freiheit?

Die Thematik ist wahrscheinlich eines der Themen, welches weltweit nicht unterschiedlicher aufgefasst werden kann. Um dies darzustellen haben auch wir uns mit der „Freiheit“ eines jeden Einzelnen beschäftigt.
Historisch gesehen reichen die Belege Jahrhundert weit in die Geschichte der Menschheit zurück. Mit Absicht von uns hervorgehoben, stehen die reformatorischen Schriften Martin Luthers in diesem Artikel im Vordergrund, im leichten Kontrast zu unserer Meinung. Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit, Illusionsfreiheit, all diese Bezeichnungen beinhalten zwar den Begriff Freiheit, sagen aber nichts über unser wahres Thema, der Freiheit basierend auf dem Glauben, dem Glauben an Gott, nach Martin Luther und der Nächstenliebe aus.
Eine Hauptaussage der reformatorischen Schrift Martin Luthers von 1520 ist: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht und jedermann untertan... “ . Unser einer fasst sich bei solch einer These fragend an den Kopf. Unser Verständnis von Freiheit ist unbegrenzt. Individuell ohne Zwang zu handeln, allein zu bestimmen wie unser alltägliches Leben, ja unsere Welt, für uns persönlich auszusehen hat, ist Freiheit. Die Freiheit ist ein unwiederholbarer Moment im Leben, man erlebt ihn und denkt in dieser Situation einfach an nichts, ohne seinen Wert zu schätzen, frei von der Außenwelt. Ein nahezu unbeschreibliches Gefühl was kommt und geht. Aber allein der Glaube an solche Momente, wo einen nur die Gabe Gottes, die Freiheit erhält, ist die Freiheit jedes einzelnen.
Die Nächstenliebe wird durch Martin Luther wie folgt beschrieben: „Siehe, so fließet aus dem Glauben die Liebe und Lust zu Gott und aus der Liebe ein freies, williges, fröhliches Leben, dem Nächsten umsonst zu dienen. Aus dem allen folgt der Schluss: ein Christenmensch lebt nicht in sich selbst, sondern in Christus und seinem Nächsten: in Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe“. Was ist für uns Nächstenliebe beziehungsweise Liebe überhaupt? Allen voran steht der Grundsatz, im Bezug zur heutigen Zeit, dass es jedem gegeben ist frei zu wählen und zu lieben, wen man will. Von Schmetterlingen im Bauch, verbunden mit Glück, über leidenschaftliche Romantik, sowie der Suche nach innerlicher Verbundenheit und Zärtlichkeit, bis hin zum engsten Zusammenhalt in Tagen des Missverständnisses, in welchen jeder den anderen unbedingt braucht, jedoch nicht findet.
Die Nächstenliebe ist ein weiteres wichtiges Thema im Zusammenspiel der Geschlechter. Um die Nächstenliebe vorbildlich zu praktizieren, muss man die eigenen Bedürfnisse gegenüber anderen zurückstellen und dauerhaft zu Kompromissen bereit sein. Neid, Vorurteile und Habsucht sollte man strengstens, im Blick auf die Nächstenliebe zwischen den Familienmitgliedern, Freunden und alltäglichen Bekanntschaften, unterlassen. Der Respekt und die Anerkennung untereinander spielt eine außergewöhnlich große Rolle.
Liebe und Nächstenliebe sind Bestandteile der von uns und Martin Luther aufgefassten Freiheitsvorstellung. Sie begrenzen die Freiheit soweit, bis man einen anderen in seiner Freiheit beraubt.
Jedoch die endgültige Definition für das Wort Freiheit zu finden, ist nahezu unmöglich. Wir hoffen, wir haben euch mit diesem Artikel einen Anreiz geliefert, um selbst nach der persönlichen Definition von Freiheit in euch zu suchen. Stellt euch die Frage und lasst euren Gedanken freien Lauf!

Ann Louise Stevenson
Maximilian Kretzschmar

Antwort des Bundesaußenminister