LEIPZIGER NOTENBOGEN ERÖFFNET

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Eröffnung der Nordroute des Leipziger Notenbogens - auf den Spuren jüdischer Musik

Leipzig hat als Weltstadt der Musik einen weiteren kulturellen Höhepunkt erhalten: Neben der bekannten Leipziger Notenspur gibt es nun eine zweite dauerhafte Entdeckungstour – den Leipziger Notenbogen. Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Burkhard Jung wurde die Nordroute des neuen Rundwegs Anfang September 2026 offiziell eingeweiht.
Der Festakt zur Aufnahme der neuen Stationen in die Route des Leipziger Notenbogens erfolgte am 6. September 2026. Im Anschluss an das Wandelkonzert entlang der neuen Route versammelten sich zahlreiche Gäste in den Höfen am Brühl, um die jahrelange Arbeit vieler Engagierter zu würdigen und zu feiern.

Das neue Wegprojekt führt durch die Gründerzeitviertel westlich der Innenstadt und entführt Spaziergänger in die vielfältige Musikwelt der Romantik, Spätromantik und Moderne des 19. und 20. Jahrhunderts. Anwesend waren auch Vertreter aus der Politik, unter anderem Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke, ehemalige Schülerin unserer Schule. In ihrer Ansprache betonte sie die Relevanz der Förderung von Projekten zur Aufarbeitung der jüdischen Erinnerungskultur. Vor allem in Zeiten des immer stärker werdenden Rechtspopulismus werde das Engagement in kulturellen Bereichen wie diesen immer bedeutender, so Jennicke.
Ein besonderes Anliegen des Notenbogens ist es, das jüdische Musikerbe Leipzigs sichtbar zu machen. Nachdem sich jüdische Bürgerinnen und Bürger ab dem 19. Jahrhundert im Zuge der Emanzipation wieder in Leipzig ansiedeln durften, wählten sie bevorzugt die neu entstehenden Westvorstädte als Wohn- und Wirkungsstätte. Der Notenbogen schlägt damit auch eine wichtige Brücke zur Aufnahme in die Europäische Kulturroute Jüdischen Erbes.

Wir hörten ein virtuelles Grußwort des Landtagspräsidenten Alexander Dierks, der leider nicht selbst erscheinen konnte. Außerdem sprachen sowohl Vertreter und Vertreterinnen der Jüdischen Gemeinde Leipzig als auch der Landesrabbiner Zsolt Balla.
Auf dem Rundweg begegnet man den Spuren bedeutender jüdischer Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Gustav Mahler und Erwin Schulhoff sowie prägenden jüdischen Kantoren und Chorleitern wie Samuel Lampel und Barnet Licht. Es folgte ein umfassendes und sehr vielfältiges musikalisches Programm, das uns eintauchen ließ in die jüdische Musikkultur.
Diese Vielfalt jüdischer Musiktradition betonte Prof. Dr. Werner Schneider, Leiter der Leipziger Notenspur, immer wieder in seinen Zwischenansprachen. Sie zeige uns, wie wichtig es ist, weiterhin vor allem die jüdische Musiktradition Leipzigs aufzuarbeiten. Man hätte sie wohl kaum besser erleben können als an diesem Tag und bei dieser Veranstaltung.

Die Nordroute umfasst die Stationen 1–7 sowie 14–19, dabei führt sie zu den Standorten der einstigen Liberalen Großen Gemeindesynagoge (Gottschedstraße) und der Orthodoxen Ez-Chaim-Synagoge (Apels Garten). Vom Standort des Geburtshauses von Richard Wagner geht es unter anderem zu den ehemaligen Wohnstätten von Erwin Schulhoff und Gustav Mahler. Stationen am Alten Theater, am Neuen Operettentheater im Centraltheater sowie das Mendelssohn- und das Wagner-Denkmal markieren wichtige Punkte der Leipziger Theater- und Musikgeschichte.
Wir als Schülerinnen der RHS von der AG Spurensuche haben im Rahmen einer KoL ein Hörspiel für das Audioleitsystem des Leipziger Notenbogens erstellt, das in der Notenspur App zu hören ist. Dieses dreht sich um die 16. Station der neuen Route - „Das Neue Operettentheater Leipzig“- am Standort des Centraltheaters (heutiges Schauspielhaus). Die Geschichte des Operettentheaters Leipzig, das im 20. Jahrhundert vor, während und nach dem Nationalsozialismus betrieben wurde, verbindet das heutige Schauspielhaus und die Musikalische Komödie und lebte zu einem Großteil von jüdischen Einflüssen.

Während der NS-Zeit übernahm Johannes Merz die Einrichtung formal von der jüdischen Familie Kroch und trat zur Tarnung in die NSDAP ein, um das Theater zu retten – was ihm nach dem Krieg im Zuge der Entnazifizierung fälschlicherweise zum Verhängnis wurde. Selbst unter den Leipzigern ist diese spannende Geschichte noch wenig verbreitet, da die Erforschung erst während der Corona-Zeit erfolgte. Diese Station wurde bei der Veranstaltung als besonderes Beispiel näher beleuchtet. Als einer von vielen weiteren Schülerbeiträgen wurde unser Hörspiel abgespielt und wir durften ein Live-Interview mit Herrn Schneider auf der Bühne führen. Im Anschluss trugen wir als Vokalensemble noch etwas zum bunten Programm bei, wobei wir in Anlehnung an das Hörspiel mit einer Imitation der Comedian Harmonists, mit „Ein Kleiner Grüner Kaktus“ endeten. Gleich nach uns folgte das Ensemble „Salon Krause“ von Musikern der Musikalischen Komödie als Krönung der Veranstaltung mit einem Ohrenschmaus der Operettenmusik. Für die vielen Engagierten, die sich für die Umsetzung dieses Projekts eingesetzt haben, bedeutete dieser Festakt einen Abschluss langjähriger Arbeit. Doch für viele Menschen wird dies hoffentlich der Beginn sein, neue Routen zu entdecken und mit einem aufmerksameren Blick durch Leipzigs Innenstadt zu gehen. Die Vervollständigung des Notenbogens steht bereits fest: Die Südroute mit den Stationen 8 bis 13 folgt im Jahr 2027. Sie wird den Bogen spannen zu weiteren bedeutenden Orten. Und wenn mal wieder der Drang nach ein bisschen Kultur besteht oder das Sonntags-Familienprogramm noch nicht geplant ist, dann hier eine große Empfehlung: Die Nordroute des Leipziger Notenbogens, Station 1 bis 18! Vielleicht erhört man ja die RHS ;)

Gretel Hahn & Elisabeth Weck für die AG Spurensuche

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